Schadensersatz im Reiserecht

 
 

Neben den verschuldensunabhängigen Gewährleistungsansprüchen nach den §§ 651
c – 651 e BGB kommen verschuldensabhängige Schadensersatzansprüche des Reisenden in Betracht.

• Schadensersatz wegen Nichterfüllung: Nach § 651 f Abs. 1 BGB kann der Reisende neben Minderung oder Kündigung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen. Bei Eigenverschulden oder Fremdverschulden, Vorliegen eines Reisemangels und Mängelanzeige bzw. Abhilfeverlangen haftet der Reiseveranstalter auf Schadensersatz. Zu denken ist in erster Linie an Körper- und Sachschäden im Hotel aufgrund von baulicher Mängel oder Gesundheitsverletzungen durch verdorbene Speisen.

• Schadensersatz wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht: Neben einem Schadensersatzanspruch aus Reisevertrag kommt die deliktische Haftung des Reiseveranstalters nach §§ 823 ff. BGB in Betracht. Dem Reiseveranstalter obliegen Auswahl- und Überwachungspflichten. Es soll sichergestellt werden, dass der Reisende im Verantwortungsbereich des Reiseveranstalters bzw. seiner Leistungsträger keinen Schaden erleidet. Eine Schadensersatzpflicht besteht nicht für Schäden, die dem allgemeinen Lebensrisiko (Diebstahl oder Erkrankung ohne Zutun des Veranstalters) zuzurechnen sind.

• Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit: Bei erheblicher Beeinträchtigung bzw. Vereitelung der Reise kann der Reisende auch Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit verlangen (§ 651 f Abs. 2 BGB). Nach herrschender Meinung der Rechtsprechung ist eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise erst dann anzunehmen, wenn eine Minderungsquote von 50% erreicht ist. Die Bandbreite der Entschädigung für einen komplett beeinträchtigten Urlaubstag (Minderungsquote – 100%) schwankt zwischen pauschaler Bewertung von 55 – 72 € oder einer konkreten in Bezugnahme unter Berücksichtigung von Reisezweck, Schwere des Mangels und Höhe des Reisepreises. Kann die Reise durch Verschulden des Reiseveranstalters nicht angetreten werden und verbringt der Reisende den Urlaub zu Hause (Balkonurlaub), so wird in der Regel die entgangene Urlaubsfreude mit 50% Schadensersatz ( = 36,00 €) vergütet.

 
 
 
   
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